…Daher genügt der Künstlerin bei ihren Aktdarstellungen bloße Nacktheit nicht. Sie will mehr als die Abwesenheit von Kleidung. Der Blick dringt unter die Oberfläche, Haut zeigt sich nicht länger als jene delikate homogene Außenseite, über deren Modulation sich der Körper definierte: Tiefere Schichten von eigenartiger Tönung werden nun bloßgelegt, als wäre die Haut abgezogen, um darunter verborgene Strukturen zu erforschen. Der Umweg über das Innere ermöglicht Christine Reinckens also das |
Vordringen zum Charakteristischen der Persönlichkeit. In diesen neuen Menschen-Bildern wird Malerei zum Ereignis: War zuvor der Vorgang des Malens mit allen Mitteln in Unsichtbarkeit gehalten, tritt er nun unübersehbar in Erscheinung: Jetzt ist Malerei nicht mehr nur Mittel zum Zweck, sondern macht sich zum Thema. Die Bewegung des Pinsels wird plötzlich nachvollziehbar, und die Spuren des Herstellungsprozesses, bislang dem Effekt unterstellt, werden nunmehr selber zum Effekt. |