…die Versiegelung der Haut, an deren Glätte der Blick abglitt, zeigt sich nun widerständig, rau und offen. Ebenen und Erhebungen, verschattete Zonen, Klüfte, Kanäle, Rinnen und Risse formieren sich zu Körper- und Gesichtslandschaften, in deren Absicht es liegt, das Wesentliche der abzubildenden Leiblichkeit zu protokollieren: Charaktereigenschaften zu erfassen, individuellen Befindlichkeiten Ausdruck zu verleihen, differenziert Auskunft zu geben über Alter und Jugend, Emotion und Sentiment. Die Lösung von der Glätte, mit der sich unweigerlich der Aspekt der Jugendlichkeit verbindet, weckt Lust auch auf ältere Körpertopographien. An diesem neuen Umgang mit Farbe wird deutlich, dass es bei der Dokumentation des physischen In-der-Welt-Seins nie um eine ein für allemal festgelegte, verbindliche Sichtweise gehen kann, sondern allenfalls um Interpretation eines |
momentanen Zustand, die nichtsdestoweniger geeignet sein kann, das Typische hervortreten zu lassen…. Christine Reinckens bringt also ihre Virtuosität keineswegs zur Image-Produktion ins Spiel, sondern zur Herstellung wahrhaftiger Abbilder. Bei ihren malerischen Analysen des physischen und psychischen Seins bleibt die traditionelle Aufgabe des Porträts – das Flüchtige festzuhalten,um das Beständige sichtbar zu machen, das Dauernde im Vorübergehenden aufscheinen zu lassen – unangetastet. Die Freiheiten, die die Künstlerin sich dabei nimmt und zugleich gibt, wird auf überzeugende Weise den Modellen gerecht: Denn die Qualität dieser aktuellen Bilder von Menschen zeigt sich nicht nur daran, dass sie anderen unmittelbar plausibel erscheinen, sondern dass sich auch die Dargestellten be- und getroffen vorkommen. |