Das Zeichnen und Skizzieren ist eine ständige, unverzichtbare Beschäftigung, die den Alltag der Künstlerin tagebuchartig begleitet und die Bildideen spielerisch vorformuliert. Ihre sporadische Tätigkeit als Gerichtszeichnerin hat Christine Reinckens in einem Artikel für die Mitgliederzeitung des Künstler- sonderbundes beschrieben. Hier ein Textauszug.
..Die Verknüpfung von Äußerem und Innerem bei den Portraitierten ist gerade bei diesen Menschen vor Gericht eine spannende Mutmaßung, die von der Umgebung an mich herangetragen wird. Ein Mörder muss doch irgendwie „anders“ aussehen?
Erst einmal sitzen ganz normale Leute vor mir. Insbesondere bei gut aussehenden jungen Menschen fällt der Bezug zur Grausamkeit der Tat schwer. Für die Zeichnerin gibt es, wie überall, auch hier vor Gericht interessante und langweilige Köpfe. Für mich reizvoller ist die Beobachtung der Reaktionen, der inneren Bewegung während der Verhandlung. Recht bald manifestiert sich ein typischer Gesichtsausdruck, in dem sich sehr wohl etwas Aussagekräftiges widerspiegeln kann. Da gibt es geborene Schauspieler, die sich endlich eitel im Licht der Öffentlich-
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keit sonnen ebenso wie komplett versteinerte Menschen, die nur ganz selten eine Regung erkennen lassen; Rechthaber, Zeltprediger und arme Loser; am Erschütternsten ist immer wieder der Anblick bornierter Gleichgültigkeit und abgrundtiefer Dummheit.
Mein eigentliches Anliegen ist also: nicht nur Größe - Kopfform - Augenfarbe zu schildern, sondern den ganz eigenen Ausdruck dieses besonderen Menschen einzufangen.
(Fangen darf man fast wörtlich nehmen – es handelt sich ja nicht um Modelle, die brav stillhalten). Otto Dix sagte: „Das Außen ist Ausdruck des Inneren.. Das geht soweit, dass auch die Gewandfalten, die Haltung des Menschen, seine Hände, seine Ohren dem Maler sofort Aufschluss über das Seelische seines Modells geben.“
Dem möchte ich hinzufügen: in der erweiterten Beobachtung des Menschen, mitsamt seiner Körpersprache und seinen Reaktionen, erschließt sich ein Bild, aus dem ein Portrait werden kann. Indem ich aus der Fülle der möglichen Haltungen die typische wähle, dokumentiere ich meine Sicht auf diesen Menschen.
Dieselbe Intention habe ich auch gegenüber meinen freien künstlerischen Portraits. |